Rehkitze in Not - 3. Projekt-Treffen

Tierschützer, Jäger und Landwirte ziehen an einem Strang

Weit über den Vogelsberg hinaus hat das „Projekt Kitzrettung“ inzwischen seine Kreise gezogen, wie beim dritten Treffen der Gruppe im Lauterbacher Posthotel Johannesberg zu bemerken war. Fast dreißig Leute konnte Hans-Ullrich Weidner, Vorsitzender der Jägervereinigung Lauterbach und treibende Kraft beim Kitzrettungsprojekt, begrüßen. Tierschützer, Jäger und Landwirte waren zu fast gleichen Teilen vertreten und verfolgten das gleiche Ziel: Das grausame „Ausmähen“ von Rehkitzen, aber auch anderen Tieren wie Junghasen und Bodenbrütern, zu verhindern, wo es nur geht.

Begonnen hatte die Aktion im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit. Nach einem ersten Treffen mit intensivem Austausch von Wissen und Erfahrungen bildeten sich die ersten Rettungsteams und führte Berufsjäger Reiner Schneider Crashkurse zur Rehwildrettung durch, wurden Hilfsmittel wie Schallkanonen und „Scheußeln“ angewendet, Multikopter („Drohnen“) wurden ausprobiert und erfolgreich angewendet.
Ein Schulprojekt zum Thema begeisterte Schülerinnen und Schüler, aber auch involvierte Landwirte.

Sehr gut bewährt hat sich das „Dreigespann“ aus Jagdpächter, der die Aktion koordiniert, dem Landwirt, der bestimmt, wann und wo gemäht wird und den Helfern, die auf Anruf des Jagdpächters anrücken und nach seiner Anweisung Wiesen ablaufen und verstänkern, Rehwildscheuchen stellen und sofort nach der Mahd wieder abbauen, das Rehwild vergrämen, aber auch organisieren, Anweisungen weiterleiten, Chauffeursdienste leisten, für das leibliche Wohl der Rettungsteams sorgen und so weiter – Helfer werden an allen Ecken und Enden gebraucht, es gibt nie genug!

Nach einem kurzen Rückblick über die vergangene Mähsaison durch Katharina Jacob (Jägervereinigung Lauterbach) stellte Barbara Bausch (Tier- und Naturschutz unterer Vogelsberg e.V. (TiNa)) die neue Website vor, in die potentielle Helfer, aber auch interessierte Landwirte und Jäger sich eintragen könnten. Die Adresse lautet www.kitzrettung-hilfe.de. Bausch führte durch die Veranstaltung und gab zudem  einen Ausblick auf künftige Aktivitäten des Teams.

Multikopter mit Wärmebildkameras stellte der erfahrene Drohnenpilot Jörg Fuchs mit seinem Team vor. Die von den Drohnen gemachten Luftaufnahmen beeindruckten auch diejenigen, die bei seinen Vorführungen noch nicht dabei sein konnten. Bereitwillig gab er Auskunft über Einsatzmöglichkeiten, aber auch Kosten, die die Arbeit mit Hexa- und Oktokoptern mit sich bringt.

Wichtig war den Kitzrettern der Austausch mit Rettungsteams aus anderen Teilen Deutschlands. Annette Pfeil aus Reichelsheim im Odenwald, die auf über zehn Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet zurückblicken kann, gab Tipps und Ratschläge zur erfolgreichen Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Menschen wie Veganern und Jägern. Pfeil freute sich außerordentlich über ein zweites „Asterix-Dorf“, das dem Mähtod erbitterten Widerstand leiste. Ganz besonders deutlich wies sie darauf hin, dass Streitereien Rettungsaktionen sehr negativ beeinflussten. Weder Diskussionen über die Jagd, noch Ausführungen über einzelne Tierschützer gehörten in den Dunstkreis eines Rettungseinsatzes, ebensowenig seien hier Themen wie die Windkraft, Glyphosat  oder vermeintliche „Untaten“ von Naturschutzorganisationen am Platze, warnte Pfeil. Beim Retten gebe es nur eins: Das Rehkitz. Sonst nichts. 

Pfeil betonte des Weiteren, wie wichtig Mundpropaganda bei solchen Einsätzen sei. Das Retten von einzelnen Tieren, die konkrete Hilfe, die der Tierschützer hier leisten könne, sei durch nichts zu ersetzen und für jeden Beteiligten ein Erlebnis, so Pfeil. Anwesende, die bereits bei einem Einsatz dabei waren, konnten das nur bestätigen. Über akustische Vergrämungsmittel informierte die Tierschützerin Inge Schmitt. Sie stellte eine neue Generation solche „Scheuchen“ vor, die mit blauem Licht und für das Rehwild unangenehmen Geräuschen die Ricken beunruhigen und dazu bringen, ihre Kitze vor der Mahd aus der Wiese zu führen.

Dadurch, dass die akustischen und optischen Signale unregelmäßig auftreten, wird ein Gewöhnungseffekt von Seiten der Ricke weitgehend vermieden. Auch Probleme wurden angesprochen. So muss in FFH-Gebieten auf Schwarzstorch und Rotmilan Rücksicht genommen werden, für Drohneneinsätze ist eine Ausnahmegenehmigung nötig.

Ein Gespräch mit der Oberen Naturschutzbehörde wird in Kürze stattfinden, wie Frank Leinberger, der Leiter der Unteren Jagdbehörde, bestätigte. Zudem dürfen Anwohner von den Geräuschen der Wildretter nicht belästigt werden, was jedoch auch tunlichst vermieden wird, zumal der Einsatz solcher Geräte nicht lange dauert und die Scheuchen nur einen Tag vor der Mahd aufgebaut werden, um sofort nach der Mahd wieder zu verschwinden.

Schwierig in die Situation der Rehwildretter im Rodgau, wie Thomas Köthe von der „Aktion Rehkitz Rodgau“ berichtete. Köthe und sein Team staunten über die gute Zusammenarbeit von Jägern, Landwirten und Tierschützern im Vogelsberg und freuten sich, als die Anwesenden ihre Hilfe zusagten.  Sowohl die Rodgauer als auch die Vogelsberger setzten große Hoffnung in Erfahrungsberichte von Jägern für Jäger, die den rodgauer Jägern und Landwirten bestätigen sollen, dass niemand sich in jagdliche Belange einmischen möchte, sondern dass vielmehr Unterstützung und Mitarbeit angeboten wird.

Wer sich an der Kitzrettung beteiligen möchte, kann sich unter www.kitzrettung-hilfe.de eintragen bzw. ein Mitglied des Orga-Teams kontaktieren: Barbara Bausch, E-Mail welcome(at)bausch-partner.de, Hans-Ullrich Weidner, E-Mail weidner-grebenhain@t-online.de oder Katharina Jacob, E-Mail jacob(at)elf-uhr.de.

Kitzrettung - machen Sie mit und helfen!

Der eine kennt Bilder aus dem Internet, so mancher Jäger oder Landwirt hat es hingegen live erleben müssen: Wie schnell ist ein Rehkitz im Feld übersehen, wie schnell hat die Mähmaschine zugeschlagen! Verletzte Tierkinder lassen niemanden kalt, besonders wenn es sich um Rehkitze handelt mit Hilfe suchenden Blicken und herzzerreißenden Schreien!

Dies zu vermeiden haben sich zahlreiche Landwirte, Jäger, Natur- und Tierschützer auf die Fahnen geschrieben und sich jetzt zu einer großen Hilfsaktion zusammengetan, die weit über den Vogelsberg hinaus Wogen schlägt.

Möchten Sie mithelfen? Sind Sie Jäger/in, Landwirt/in oder einfach interessierter Naturschützer mit einem Herz für Tiere? Dann tragen Sie sich gerne für die Aufnahme in unserer Website https://kitzrettung-hilfe.de/ ein! Wir brauchen jede helfende Hand, jedes denkende Hirn, jedes mitfühlende Herz.

Egal, ob Sie Rehwildscheuchen bauen und aufstellen, ob Sie Rehkitze aus dem zu mähenden Feld sammeln möchten, ob Sie einen Hund oder auch eine Drohne besitzen, der oder die die Felder absuchen kann oder ob Sie über Erfahrung und Wissen verfügen, die den Kitzen helfen können, Sie alle sind hochwillkommen um den Kleinen schreckliches Leiden oder einen grausamen Tod zu ersparen.

Genaueres erfahren Sie bei Barbara Bausch (welcome(at)bausch-partner.com), Hans-Ullrich Weidner (weidner-grebenhain(at)t-online.de) sowie bei Katharina Jacob (jacob(at)elf-uhr.de).