Gedanken zur Jahreswende

Von Hans-Ullrich Weidner

Liebe Jagdfreunde,

in wenigen Tagen wird das Jahr 2015 Geschichte sein und das neue Jahr beginnt. Anlass genug für einen Augenblick der Rückbesinnung auf der einen und für einen Blick in die Zukunft auf der anderen Seite.

Wie kaum ein anderes Jahr nach 2001 hat uns 2015 gezeigt, wie fragil unsere „Weltordnung“ ist. Die Griechenland-Krise, die feigen Attentate und Gräueltaten des IS sowie die Flüchtlingsproblematik bestimmten und bestimmen die Schlagzeilen. Dabei entsteht freilich schnell die Gefahr, dass vor dem Hintergrund dieser großen, schwierigen und bewegenden Themen regionale und/oder spezifische Themen an Bedeutung verlieren. Unsere gemeinsame Passion, die Jagd, ist ein solches Thema.

Neue Jagdverordnung
Die Art und Weise, wie uns die Hessische Landesregierung die neue Jagdverordnung überstülpen wollte, spricht im Kontext Bände. Statt auf Expertenrat, nämlich auf unseren Rat, zu hören, konnten sich vermeintliche Naturschützer und jagdfeindlich eingestellte, verbohrte Ideologen in Wiesbaden Gehör verschaffen.

Dabei sind wir es, wir, die Jäger, die sich wie keine andere gesellschaftliche Gruppierung um Hege und Naturschutz kümmern. Wir sind es, die mit einem unglaublichen Engagement alles für einen gesunden und vernünftigen Wildtierbestand tun. Dafür opfern wir Stunden um Stunden unserer Freizeit und investieren oft genug auch viel Geld.

Dass die - vielfach sach- und fachunkundigen – Jagdgegner trotzdem erfolgreiche Lobbyarbeit leisten können, muss zu denken geben. Denn: Auf der einen Seite läst sich vermuten, dass das Thema Jagd von den verantwortlichen Regierungsparteien als eine beliebige, manövrierbare Masse verstanden wird.
Ich sage ganz deutlich: Das hat unser Wild nicht verdient!

Auf der anderen Seite muss die Frage gestattet sein, warum unsere Interessenvertretung, der LJV, in Wiesbaden nicht ähnlich erfolgreich antichambrieren kann, wie die Jagdgegner.
Und hier sage ich ebenso deutlich: Das hätten wir als Jägerschaft mehr als verdient!

Wir dürfen uns freilich nicht die Hände reiben, weil die Inkraftsetzung der Jagdverordnung durch unseren deutlichen Protest vorerst ausgesetzt worden ist. Denn es bedarf „nur“ der Unterschrift der Umweltministerin um ein Regelwerk in die Praxis zu überführen, das in entscheidenden Bereichen praxisfremd und unserem Wild gegenüber als feindlich zu werten ist.

Diffamierung der Jagd?
Begeben wir uns von der Landesebene aus in einen weiteren Mikrokosmos, in unsere Region nämlich. Viele von Ihnen konnten unmittelbar oder über die Medien verfolgen, wie zwei selbsternannte „Waschbärschützer“ in Lauterbach versucht haben, die Jägerschaft und damit auch die Jagd zu diffamieren, ist beispiellos. Da wurde dreist behauptet, Unbekannte seien in einen umzäunten Schlosspark bei Lauterbach eingedrungen und hätten dort in Drahtgitterfallen zwei Waschbären gefangen. Die beiden Muttertiere seien dann mit einem Hammer beziehungsweise mit einer Nagellatte durch Schläge in den Kopf „bestialisch  getötet   worden“. Ein Waschbär sei  „nach  Jägerart“  in Streifen geschnitten worden, um  einen Osterbraten zu  gewinnen. Beide Weibchen hätten  hilflose Junge  hinterlassen.

Mit viel Akribie konnten wir als Jäger beweisen, dass diese Darstellung in die Kategorien  „Vortäuschung einer Straftat“ und „Irreführung von Polizei und Öffentlichkeit“ gehören. Wir haben Strafanzeige gestellt.

Bislang gibt es aber seitens der strafverfolgenden Behörde noch keine Ergebnisse. Uns bleibt die Hoffnung, dass die Staatsanwaltschaft Gießen erkennt, welche Brisanz hinter unserer Anzeige steckt und sie gebührend verfolgt.

Wir tun Gutes!
Die Liste der Problematiken im Zusammenhang mit der Jagd ließe sich an dieser Stelle weiter verlängern. Lassen Sie uns jetzt aber einige positive Aspekte beleuchten.  

  • Wir Jäger wissen, dass unser Engagement für Flora und Fauna wichtig und richtig ist.
     
  • Wir finden Erfüllung in dem, was wir für die Natur und für Gottes Geschöpfe in dieser Natur tun. Dass wir dabei jagen, sprich Wild töten, ist alles andere als verwerflich. Wir regulieren mit unserem Eingreifen den Wildbestand, erhalten ihn  gesund und stabil.
     
  • Wir Jäger erfüllen eine – lassen sie mich das ruhig so bezeichnen – umweltpolitische Aufgabe, die der Staat so alleine nie erfüllen könnte. Das kann und muss uns mit Stolz erfüllen.
     
  • Und letztlich: Jagd bedeutet im übertragenen Sinne Saat und Ernte. Was wir ernten ist gesund, es ist ohne die Gabe von Antibiotika und sonstigen, perversen Methoden zur schnellen Aufzucht „groß“ geworden. Wir können es ruhigen Gewissens konsumieren und wir können es ruhigen Gewissens an die Verbraucher weitergeben. Wie viele Lebensmittelproduzenten können das?

- Lassen Sie uns also verhalten optimistisch in die Zukunft blicken.

- Lassen Sie uns mit dem nötigen Selbstbewusstsein in die Öffentlichkeit treten und lassen Sie uns weiterhin mit Freude und Engagement unser Waidwerk ausüben.

- Lassen Sie uns dabei aber auch unsere Traditionen und die Achtung vor der Kreatur nicht vergessen. Waidgerechtigkeit und der letzte Bissen für die erlegte Kreatur gehören dazu.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, eine frohe Jahreswende und für 2016 allzeit guten Anlauf und viel Waidmannsheil.  

Ihr
Hans-Ullrich Weidner
Vors. der Jägervereinigung Lauterbach